Stuart Froum, DDS, PC, ist Zahnarzt in New York City sowie klinischer Professor und Direktor für klinische Forschung in der Abteilung für Periodontologie und Implantologie am New York University College of Dentistry. Dies ist die Fortschreibung eines Interviews, welches wir 2007 mit ihm führen durften.
 
Welche Innovationen in der Parodontologie habensich in den letzten fünf Jahren durchgesetzt?

Uns stehen heute mehr Optionen zur Verfügung. Mit weniger invasiven Behandlungen lassen sich beispielsweise Schmerzen verringern und die Einheilzeit verkürzen. Zudem können grössere Eingriffe dank Fortschritten bei Gingivakorrekturen, ortho-dontischen Zahnverschiebungen, Zahnbleichungen und Laminat-Veneers manchmal vermieden werden. Eine kürzlich durchgeführte Studie der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) zeigt allerdings, dass jeder zweite erwachsene Amerikaner an moderater bis schwerer Parodontitis leidet. Die Öffentlichkeit muss angeregt werden, diese Erkrankung behandeln zu lassen.

Gibt es seit 2007 neue Erkenntnisse über die Rolle von Parodontitis als Risikofaktor für andere Krankheiten?

In der Tat. Parodontitis wird heute genauso wie Rauchen oder ein zu hoher Cholesterinspiegel als Risikofaktor für Arteriosklerose betrachtet. Experten haben auch eine Verbindung zwischen Parodontitis und anderen Krankheiten erkannt und weisen auf die Gefahren bei einer Schwangerschaft hin. Die Prävention und Behandlung von Parodontitis ist deshalb äusserst wichtig, wobei wir bereits grosse Fortschritte bei der Identifikation von Risikopatienten erzielt haben.

Gibt es auch Fortschritte in der ästhetischen Parodontaltherapie?

Parodontologen setzen heute Bindegewebetrans-plantate oder Biologika ein, um unschön freiliegende Zahnhälse abzudecken und für ein gesundes Zahnfleisch zu sorgen. Die neuen Methoden sind weniger invasiv und ermutigen daher mehr Patienten, sich behandeln zu lassen.

Vor fünf Jahren haben Sie beobachtet, dass immer mehr Allgemeinzahnärzte Parodontitisbehandeln. Hat diese Entwicklung angehalten?

Viele Allgemeinzahnärzte behandeln heute mehr Gingivitis- bzw. Parodontitis-Fälle als früher. Parodontologen sind jedoch noch immer als Spezialisten für fortgeschrittene und komplexe Krankheitsfälle, etwa mit Gingivarezession, Knochendefekten oder Furkationen, anerkannt. Glücklicherweise arbeiten Parodontologen und restaurativ tätige Zahnärzte immer häufiger zusammen. Da zufriedene Patienten Freunden und Familienmitgliedern ihren Zahnarzt weiterempfehlen – und das ist zumeist der Allgemeinzahnarzt – ist eine solche Zusammenarbeit für die Patienten und Zahnärzte eine Win-Win-Situation. Heute setzen auch mehr Zahnärzte Implantate ein, was zu häufigeren Komplikationen führt. Ich bin daher der Meinung, dass Zahnärzte, die Implantate einsetzen oder restaurieren, dafür ausgebildet sein sollten, Komplikationen frühzeitig zu erkennen, um anschliessend eine Behandlung einzuleiten oder die Patienten an einen Spezialisten zu überweisen.

Gibt es auch bei Periimplantitis Fortschritte?

Obwohl bei 10–50% aller Implantatempfänger eine Periimplantitis auftritt, werden Methoden für eine vorhersagbare Behandlung dieser Erkrankung derzeit erst dokumentiert. Es sind jedoch zahlreiche Forschungsaktivitäten in diesem Bereich im Gange. Ich bin daher guter Hoffnung, dass es möglich sein wird, mit regenerativen Techniken zur Behandlung einer parodontalen Erkrankung des natürlichen Zahnhalteapparats für einen Wiederaufbau von Weichgewebe und Knochen zu sorgen, die Osseoreintegration zu fördern und so eine Entfernung bzw. einen Ersatz des Implantats zu vermeiden.