Schon im Geschäftsbericht 2006 durften wir mit Dr. Kniha
und Dr. Gahlert ein Interview führen. Beide gehören zu den
Pionieren bei der Verwendung von Keramikimplantaten und wirken intensiv an klinischen Studien mit. In ihrer Münchner Praxis haben sie in den letzten sechs Jahren bereits über 400 solcher Implantate gesetzt, beobachtet und dokumentiert.
 
Welche Vorteile bieten Keramikimplantate?

Implantate aus Keramik sind im Körper neutral; bezüglich Ästhetik und im Verhalten gegenüber Mikroorganismen zeigen sie grosse Vorteile. Wir finden an Keramikimplantaten kaum Plaques. Klinisch sehen wir Gewebeanlagerungseffekte, die wir bei Titan so nicht kennen. Hervorragend ist, dass sich das Zahnfleisch ohne Reizungen um die Keramik schmiegt.

Sind Keramikimplantate schwerer zu setzen als Titanimplante?

Durch den einteiligen Aufbau der Keramikimplantate muss – um Achsendivergenzen zu vermeiden – die Operation genau geplant werden. Bohrschablonen und computergeführte Chirurgie helfen bei der präzisen Achsenpositionierung. Die einzelnen Systemkomponenten und Positionsindikatoren erleichtern die korrekte Achsenpositionierung bei der Insertion. Straumann ist der erste Anbieter solcher Hilfsmittel in einem Keramikimplantate-Set.

Sind Keramikimplantate teurer als solche aus Titan?

Sie sind nur unwesentlich teurer, weil Sekundärkomponenten wie Abutments und angussfähige Technikkomponenten wegfallen. Zählt man alle zur Weiterversorgung von Titanimplantaten benötigten Teile zusammen, besteht kein grosser Preisunterschied mehr. Für einige Patienten ist der Preis wichtig. Als Zahnärzte müssen wir Aufklärungsarbeit leisten und erklären, dass Implantate medizinische Hightech-Produkte mit hoher Güte, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit sind.

Wie verhält es sich mit der Oberflächenstruktur und der Osseointegration bei Keramikimplantaten?

Durch die mikroraue Oberfläche ist ihr Einwachsverhalten gleich wie bei Titanimplantaten; wir haben in drei präklinischen Studien gezeigt, dass die Osseo-integration gleichwertig ist. Dies bedeutet eine höhere Sicherheit. In unserer Praxis sind Keramikimplantate heute fester Teil unserer Arbeit.

Ihre Forschungsgruppe war eine der ersten, die Keramikimplantate untersucht hat. Grosse Studien fehlten lange. Hat sich das geändert?

Mittlerweile gib es grosse Studien über die Sicherheit von Keramikimplantaten. Bei den Hunderten von Keramikimplantaten, die wir gesetzt haben und deren Drei-, Fünf- und Siebenjahresergebnisse schon aus-gewertet sind, finden wir zum Beispiel sehr gute Gewebeanlagerungseffekte. In einer Studie der ersten Generation zu Keramikimplantaten haben wir – auch nach sieben Jahren – in keinem einzigen Fall auch nur den Ansatz einer Entzündung am Implantatkörper gefunden.

Keramikimplantaten wurde ein Marktanteil von zwischen 15 und 20 % vorausgesagt. Stimmt diese Einschätzung noch?

Keramikimplantate könnten in den USA langfristig einen Marktanteil von 40% erreichen. In Deutschland ist man konservativer und auf Titan festgelegt. Die Krankenkassen sind Keramikimplantaten gegenüber vorsichtig. Ich sehe hier mittelfristig einen Anteil von 25 bis 30 Prozent, langfristig von 50%.

Wann schaffen Keramikimplantate den Durchbruch?

Solange nicht das ganze Portfolio für Keramikimplantate zur Verfügung steht, sind die Einsatzgebiete beschränkt. Auf dem Markt gibt es heute weder zweiteilige noch durchmesserreduzierte Keramikimplantate für dünne Kieferkämme. Klinische Daten müssen gesammelt werden, damit Anwender Vertrauen in diese faszinierende Alternative zu Titanimplantaten entwickeln können.