Gilbert Achermann

Präsident des Verwaltungsrats

Was hat sich in den zehn Jahren bei Straumann an der Unternehmensführung geändert?

Nichts Grundsätzliches, nur etwas der Stil. Governance erfordert heutzutage eine formellere Vorgehensweise. Ich bin „Überregulierung“ gegenüber eher skeptisch – sie behindert Organisationen und macht sie bürokratischer, weniger unternehmerisch. Mein Credo lautet: Strukturen, Prozesse und Regulierungen auf ein Minimum reduzieren und Menschen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen – in guten wie in schlechten Zeiten. Korrektes unternehmerisches Handeln kann nur aufgrund richtiger Werte und einer soliden Kultur sichergestellt werden.

Was bleibt noch zu tun?

Unser Wandel vom Hersteller zum Dienstleister und Lösungsanbieter ist noch nicht abgeschlossen. Wir müssen uns noch mehr am Kunden orientieren, Zufriedenheit und einen Mehrwert bieten – nicht nur in klinischer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die Kosten des Verwaltungsrats sind seit 2008 um ungefähr das Fünffache gestiegen. Weshalb?

Heute sind wir acht Verwaltungsräte, früher waren es sechs, und weniger waren unabhängig. Das Umfeld hat sich verändert, die zeitlichen Anforderungen sind heute höher. Verfügbarkeit und Qualität haben eben ihren Preis; aber die Vergütungen sind markt-gerecht. An der letzten Generalversammlung haben unsere Aktionäre dem Vergütungsbericht mit überwältigendem Mehr zugestimmt.

Welche Rolle hatte der Verwaltungsrat bei der Vision 2020 und bei den Anpassungen der Organisation?

Solche Vorhaben sind immer eine Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat. Unsere Aufgabe ist es, Strategien zu entwerfen, organisatorische Auswirkungen zu genehmigen und solide Geschäftsergebnisse sicherzustellen.

Hat der Dentalsektor seinen Reiz verloren?

Demographische Trends, niedrige Durchdringung, aufstrebende Märkte und eine wachsende Mittelklasse machen die Zahnmedizin zu einem aufregenden und vielversprechenden Gebiet. Die Digitalisierung erhöht die Produktivität sowie die Zahl potenzieller Patienten und schafft Mehrwert für unsere Dialoggruppen. Unternehmen mit einer Vision, der richtigen Strategie und Ressourcen werden belohnt.

Hat der Verwaltungsrat schnell genug auf den sich abschwächenden Markt reagiert? Hätten Sie einen Stellenabbau verhindern können?

Wir hätten schneller reagieren sollen. Menschen zu entlassen ist immer schmerzhaft – besonders, wenn sie ihren Job gut gemacht haben. Unternehmertum führt manchmal zu Entlassungen und Veräusserungen. Wirtschaftszyklen sind Teil des Lebens; aber Unternehmensführer werden auch dafür bezahlt, unpopuläre Entscheidungen zu fällen.

Wie sieht der Verwaltungsrat den Aktientransfer von Thomas Straumann an GIC?

Positiv. Die Government of Singapore Investment Corporation ist ein langfristiger Anleger. Das ist genau in unserem Sinne.

Straumann-Aktien waren 2012 unter den Verlierern.

Die Aktienkursentwicklung enttäuschte nicht zuletzt diejenigen unter uns, die erheblich investiert haben. Allerdings konnten wir seit 2008 unseren Umsatz kaum steigern, und unsere Gewinnmargen haben sich halbiert. Unser Sektor war wegen seines Wachstums und seiner Margen geschätzt. Dies hat sich geändert, die Bewertungen wurden zurückgestuft. Früher waren wir für Wachstumsinvestoren interessant, jetzt kaufen Value-Investoren. Ich bin zuversichtlich, dass wir positive Renditen sehen werden.